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Museum mit Lehrpfad, Naturlehrpfad, Geotop

Dokumentation der Wackersdorfer Ortsgeschichte und des ehemaligen Braunkohletagebaus rund um Wackersdorf

Die Entwicklung der Region um Wackersdorf war und bleibt untrennbar mit der "Bayerischen Braunkohle Industrie AG" (BBI) verbunden. Die Erhaltung und Pflege des regionalen, heimatkundlichen und bergmännischen Kulturgutes sowie Informationen über Wackersdorfer Industriefirmen sind das Ziel des Museums. Neben der Darstellung der örtlichen Verhältnisse vor dem Braunkohlenbergbau werden die dadurch verursachten einschneidenden Veränderungen innerhalb des Gemeindegebietes präsentiert. Die Themen Umsiedlung, Wandlung und Neugestaltung der Landschaft sind ausführlich dargestellt. Die Techniken des Braunkohleabbaus sowie das bergmännische Leben bildne ebenfalls Schwerpunkte im Konzept des Museums.

Geschichtliche Entwicklung

Der Großteil der Braunkohlenvorräte wurde im Gemeindebereich Wackersdorf erschlossen. Gravierende strukturelle Veränderungen erlebte die Gemeinde mit der Ortsumsiedlung 1950/52. Das ehmalige Alt-Wackersdorf musste der Kohlegewinnung weichen. Nach Auskohlung dieses Gebietes wurden die entstandenen Gruben mit Bodenmaterial aus den Tagebauen aufgefüllt und mit Mischwald aufgeforstet. Hier entstand in unmittelbarer Nähe der Ortschaft Wackersdorf ein Naherholungsgebiet mit Wanderwegen, Trocken- und Feuchtgebieten. 

Im Jahre 1962 wurde im nördlichen Gemeindegebiet Rauberweiherhaus ein neues Kohlefeld erschlossen. Die ursprüngliche Landschaft mit einer Vielzahl von Fischweihern, Sumpfgebieten und Waldungen verschwand. Nach Abschluss der Auskohlung im Jahre 1982 entstanden insgesamt sechs Tagebauseen mit einer Wasserfläche von ca. 650 ha., die heute ihren Ursprung nur noch in Randbereichen und dem Kundigen erkennen lassen. Die in den achtziger Jahren geplante Errichtung einer Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Kernbrennstäbe scheiterte am Widerstand der Bevölkerung. Die anschließende Ansiedlung von anderer, leistungsfähiger Firmen brachte einen ungeahnten Aufschwung für Wackersdorf und Arbeitsplätze für die gesamte mittlere Oberpfalz.

Museumsgliederung

 Der Ausstellungsbereich erstreckt sich über drei Etagen. Im Untergeschoss befindet sich ein Vortragsraum in dem bis zu 50 Personen Platz finden. Zwei Ausstellungsräume sind der Rekultivierung der Braunkohlegruben sowie dem Umwelt- und Naturschutz vorbehalten. Das Thema Wiederaufarbeitungsanlage für atomare Kernbrennstoffe ist in einem gesonderten Raum dargestellt. Zwei Modelle veranschaulichen die geplante Anlage sowie die geologischen Verhältnisse im Taxölderner Forst. Das Erdgeschoss ist dem Braunkohletagebau und der bergmännischen Tradition gewidmet. Eindrucksvolle Modelle von Tagebaubetrieben, ergänzt von umfangreichen Bildausstellungen und Beschreibungen, zeigen die Methoden des Braunkohleabbaus. Die Pflege der bergmännischen Tradition durch den Knappenverein Wackersdorf und die Knappenmusik-Vereinigung ist Thema in weiteren zwei Räumen. Im Obergeschoss stellen sich Wackersdorfer Industriebetriebe in eindrucksvollen Präsentationen vor. Aber auch die Wackersdorfer Ortsgeschichte sowie die Ortsumsiedlung haben einen wichtigen Platz in der Ausstellung. Ein Raum mit einer eindrucksvollen Mineralienausstellung und Sammlerstücken aus dem Bergmannsleben fügt sich in das Gesamtbild ein. Dass die örtlichen Trachtenvereine ein wichtiger Bestandteil des Wackersdorfer Vereinsleben sind, zeigen sie anhand von Bildern und Exponaten. Besonders eindrucksvoll ist eine Ausstellung zur Vorgeschichte im Wackersdorfer Raum. Hier werden teilweise bis 12.000 Jahre alte Fundstücke gezeigt, die durch Bilder und Erklärungen ergänzt werden.

Museumslehrpfad

Seit 2002 ist der ca. 3,5 km lange Weg zwischen den beiden Museen Wackersdorf und Steinberg am See entlang der südlichen Tagebauseen beschildert und mit Schautafeln bestückt. In Folge werden dort Relikte des früheren Braunkohlenbergbaus und Ausblicke auf moderne Energieerzeugungstechniken vorgestellt.

Geotop Nr. 99

Bis 1982 wurde im Bereich Wackersdorf / Steinberg am See durch die Bayerische Braunkohle Industrie AG (BBI) im großen Stile Braunkohle abgebaut. Viele Tagebaugruben wurden noch während der Zeit der Kohleförderung mit Abraum aus neuen Gruben aufgefüllt. Nach dem Ende der BBI hat man mit großem Erfolg versucht, durch Rekultivierung die restlichen Gruben wieder ins Landschaftsbild zu integrieren. Hierbei sind beispielsweise der Murner See, der Brückel See und der Steinberger See entstanden und bilden heute ein überregional bekanntes Freizeit- und Erholungsgebiet.

Im ehemaligen Abbaugebiet Westfeld südlich von Wackersdorf ist noch heute ein Kohleflöz sichtbar. Dieser geologisch und bergbaugeschichtlich bedeutende Aufschluss stellt das Geotop Nr. 99 dar. Die E.ON Energie AG die Eigentümerin der Grundstücke ist, auf denen sich das Geotop befindet,
gestattet der Gemeinde Wackersdorf den Bereich  des Geotop der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Gemeinde übernimmt im Gegenzug die Unterhalts- und Verkehrssicherungspflicht für die Vertragsfläche.   
Durch E.ON wurden eine Besucherplattform sowie ein entsprechender Zugang errichtet. Dabei wurde mittels besucherlenkender Maßnahmen, wie Geländer, Aussichtsplattform und Abgrenzungen, darauf geachtet, dass die Natur des Geotops nicht durch die Besucher beeinträchtigt wird. 

Öffnungszeiten

1. April – 30. Oktober: 7:30 Uhr – 20:00 Uhr
In den Wintermonaten ist das Geotop auf Anfrage zu besichtigen.
Auch außerhalb der Öffnungszeiten sind Gruppenbesichtigungen möglich. Eine Anmeldung kann unter der Telefonnummer 09431 / 74 36 – 414 erfolgen.

Naturlehrpfad Murner See

 

Der Naturlehrpfad bietet interessante Informationen und Einblicke in die landschafts- und Kulturgeschichte der Region sowie in die Pflanzen- und Tierwelt um den Murner See. Quiz- und Ratetafeln sowie ein Barfußpfad lockern den Rundweg auf und ermöglichen Alt und Jung unterhaltsame Erlebnisse. Ein neu erbauter Aussichtsturm von 16 Meter Höhe ist ein Highlight des Rundweges.

Braunkohleabbau in der Oberpfalz

Während südlich von Wackersdorf bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts Braunkohle in größerem Stil abgebaut wurde, begann die Kohlegewinnung im Gebiet Rauberweiher nördlich Wackersdorf 1963 und dauerte bis 1982: Damit ging die Braunkohlen-Ära in der Oberpfalz zu Ende.

Rauberweiher-Seenkette

Nach Abschluss der Kohlegewinnung kam im Gebiet Rauberweiher nur eine Rekultivierung als Seen in Frage. Wegen des großen Höhenunterschieds entschloss man sich zu einer Gliederung des Geländes durch drei Dämme, so dass vier große Seen entstanden: der Murner See mit 90 ha, der Brückelsee mit 145 ha, der Ausee mit 121 ha und der Lindensee mit 24 ha.

Landschaft im Wandel

Der Kohlebergbau veränderte die Landschaft. Während ursprünglich ein Mosaik aus Teichen, Sümpfen sowie kleinen Wäldern, Wiesen und Äckern die Landschaft prägte, sind es heute vier große Seen, die mit ihrem Umfeld nach und nach von der natur zurück erobert werden.

Die Pflanzen- und Tierwelt

Die Lebensbedingungen in den Tagebauseen sind wegen des sauren Wassers sehr ungünstig. Nur unempfindliche Spezialisten sind in der Lage, sich dauerhaft anzusiedeln. Im Laufe der Zeit wird sich die Situation verbessern.
Bis jedoch Fische und andere höhere Lebewesen alle Seen uneingeschränkt besiedeln können, wird es aber noch lange dauern. Zum Baden sind die Seen jedoch völlig unbedenklich.
Von großer Bedeutung als Lebensraum von Pflanzen und Tieren sind aber bereits ausgedehnte Bereiche um die Tagebauseen. Auf den Uferböschungen und Wiesenflächen um den Ausee wurde beispielsweise eine Reihe von zum Teil sehr seltenen Vogelarten nachgewiesen.
In anderen Bereichen, südlich des Murner Sees, haben sich ökologisch sehr hochwertige Feuchtbiotope gebildet, die sich zu Nieder- und Zwischenmooren entwickeln werden.
In unmittelbarer Nähe zu den Tagebauseen liegt mit dem Charlottenhofer Weihergebiet das größte Naturschutzgebiet der Oberpfalz. Einige Arten wie die Schellente haben hier ihren bayern- und deutschlandweiten Verbreitungsschwerpunkt.

Naturschutz und Erholungsnutzung - ein Widerspruch?

Neben den großen Seen werden von den Urlaubern und Naherholungsgästen auch die landschaftlich reizvollen Gebiete aufgesucht, die für den Naturschutz ebenso von großer Bedeutung sind. Dadurch kann es zu Konflikten zwischen der Freizeitnutzung und den Ansprüchen des Naturschutzes kommen.
Durch ein gezieltes Besucherlenkungskonzept sollen die ökologisch wertvollen Bereiche der Natur überlassen bleiben. Zugleich werden jedoch gezielt Möglichkeiten zur Naturbeobachtung und Naturerfahrung angeboten.

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